Fairraten und Fairkauft

Ein Song aus Belgien/El Salvador zur Kaffeekrise

La Jornada 19.8.2019

https://www.jornada.com.mx/2019/08/19/estados/027n1est

La Silla Rota Mexico 14.7.2019

https://lasillarota.com/estados/don-pedro-y-su-lucha-contra-la-nestle-cafe-nestle-cafetaleros-veracruz/299205?fbclid=IwAR3XCq2qxevwY1wed5hCycxNC-yH8H1W1_tkaaFIHcu-P–YjsBA1AVveP0

The Guardian 23.07.2019: is fair trade finished?

https://www.theguardian.com/business/2019/jul/23/fairtrade-ethical-certification-supermarkets-sainsburys?CMP=share_btn_tw

Academia de Artes y Ciencias del Café

https://www.facebook.com/watch/?v=2147253765587511&__tn__=-UK-R

Desplome del café alienta la ola migratoria hacia EU : Jornada , 13.6.2018 : http://Desplome del café alienta la ola migratoria hacia EU

Caída de precios de café empurará migración en America Latina 15.5.2019

https://www.eluniversal.com.mx/cartera/caida-de-precios-de-cafe-empujara-migracion-en-al

Sklavenarbeit bei Starbucks und Nestle Farm in Brasilien 3.5.2019

https://news.mongabay.com/2019/05/slave-labor-found-at-second-starbucks-certified-brazilian-coffee-farm/

Artikel aus Fruchtportal zu Fairtrade. 26.4.2019

Zukünftig dürfen die Coops nicht mehr selbst über die

Verwendung der Fairtrade-Prämie entscheiden!

https://www.fruchtportal.de/mobil/news/artikel/038481/fairtrade-strkt-rechte-von-kleinbauern

Aufruf der Kleinbauernorganisation SPP zum aktuell niedrigem

Kaffeepreis anläßlich der SCA Boston April 2019

https://www.grnewsletters.com/archive/notispp/-Denuncia-Reconocimiento-SPP-SCA-2019-Reminder-Denouncement-and-Recognition-SPP-SCA-2019-610145501.html?e=&s=8gcutY

Crónica de una muerte anunciada. La extinción del café mexicano

http://www.unamglobal.unam.mx/?p=63556#

Unterschriftenaktion wg Nestle-Projekt in Mexico https://fairworldproject.salsalabs.org/oppose-nestles-agribusiness-expansion/index.html

Caficultores vs. Nestlé 31.1.2019

https://elceo.com/negocios/cafeticultores-vs-nestle-la-guerra-por-el-cafe-en-veracruz/

Fairdammt Fairsiegelt – im Siegel-Dschungel

von Jan Braunholz    April 2012

Die Verbraucher sind zunehmend verwirrt und überfordert mit der Vielfalt der Siegel. Und auch die Akteure des Fairen Handels sind sich nicht einig. Neben dem Biosiegel gibt es diverse Siegel, die “nachhaltigen” Anbau versprechen und den Kleinbauern ein besseres Einkommen ermöglichen sollen. Am bekanntesten ist mit Sicherheit das Fairtrade-Siegel, welches just in unserem Land sein 20 jähriges Bestehen feiert. Doch seit seiner Entstehung gibt es auch die Diskussion um das “Für und Wider”, um den Sinn des Fairtrade-Siegels. Stichpunkte dabei sind die zunehmende Ausrichtung auf Supermärkte und Discounter wie Lidl und Aldi, was z.B. der Weltladenszene gar nicht schmeckt. Aber auch die Möglichkeit der Siegelübernahme durch Großkonzerne wie Nestlé rief scharfe Kritik sowohl bei Konsumenten wie auch bei den Kleinbauern-Produzenten-Verbänden hervor.

Gepa führt eigenes Siegel ein

Nun hat ausgerechnet die Gepa, einer der Mitbegründer von Transfair Deutschland, sich dazu entschlossen, sein eigenes Siegel auf einen Großteil der Gepa-Produkte zu bringen. Dies betrifft vornehmlich den Kaffee, das Ur-Produkt des Fairen Handels. Konkret heißt das, es gibt kein Fairtrade-Siegel auf der Mehrzahl der Kaffee-Päckchen, sondern das Gepa Eigensiegel “Fair +“. Die Zertifizierung wird aber weiterhin von Fairtrade International und FLO-Cert gewährleistet, d.h. an den Grundpfeilern des Fairen Handels wie Mindest- und Mehrpreis, Vorfinanzierung und langjährige Handels-Beziehungen, wird nicht gerüttelt.

Übrigens alle diese Grundpfeiler erfüllen die Mitka (Mittelamerikanische Kaffee Im- und Export GmbH) und ihre Mitgliedsgruppen auch ohne das Fairtrade-Siegel! Der Kaffee der Kaffeekampagne “La Cortadora” stammt hauptsächlich aus der Kooperative Santa Adelaida in El Salvador, die Handelspartner von MITKA ist.

Die Gepa will sich zukünftig als Marke in den Mittelpunkt stellen. Klar, ihr Bekanntheitsgrad ist groß, auch durch die Präsenz in Supermärkten und sie können es sich von daher gut erlauben auf das Transfair-Siegel zu verzichten. “Gemeinsam haben wir das Siegel bekannt gemacht und in den Mainstream gebracht”, so die Gepa in ihrer Stellungnahme vom März 2012.

In den Weltläden wird nun dieser Schritt intensiv diskutiert: “Dies ist – 20 Jahre nach Gründung von Transfair – durchaus eine Zäsur für die Weltläden”, denn bei einem Großteil der Produkte wird das Fairtrade-Siegel weitest gehend verschwinden (siehe Stellungnahme Weltladen-Dachverband).

Zukünftig wird nun auch die “Marke Weltladen” in den Mittelpunkt gerückt und die Kommunikation mit KundInnen und den “Marken” der Vollsortiments-Lieferanten wie Gepa, aber auch Dritte-Welt-Partner und El Puente intensiviert. Zitat: „Die Marke „Weltladen“ und die Marken der anerkannten Weltladen-

Lieferanten kommunizieren stärker noch als bisher die Glaubwürdigkeit unserer Arbeit gegenüber den KundInnen.“

Chancen zur Auseinandersetzung darüber bieten die “Weltladen Fachtage und Messe” vom 22.-23. Juni in Bad Hersfeld , wo dem Thema “Entsiegelung” auch ein Diskussionsabend gewidmet wird.

Heftige Diskussion auch auf internationaler Ebene

Doch auch auf dem internationalen Fairtrade-Markt ist eine heftige Diskussion im Gange. Auslöser dafür ist der Austritt von Fairtrade USA aus Fairtrade International (FLO) zum Ende des Jahres 2011. Fairtrade USA nennt sich nun „Fairtrade For All – Comercio Justo Para Todos“. Ziel ist die Verdoppelung des Fairtrade-Absatzes in den USA bis zum Jahr 2015.

Voraus gegangen ist eine seit über 10 Jahren andauernde Diskussion um die Ausweitung der Zertifizierung auf Kaffeegroßplantagen und die veränderten Standards bei FLO. Eigentlich werden bei FLO Kleinbauern Produzenten und Kooperativen zertifiziert. Bei Blumen,Tee und Bananen gibt es jedoch keine kleinbäuerliche Produktionsweise, d.h. es handelt sich dort um zertifizierte Plantagen. Diese Standards will Fairtrade For All (FT4All) nun auch auf Kaffee und zukünftig auch auf Zucker und Kakao ausweiten.

Auch die Standards bei Mischprodukten werden aufgeweicht. Zukünftig sollen bei FT4All bereits Produkte ab 10% Fair-Handelsanteil zulässig sein. Die bisherige Grenze bei FLO zertifizierten Produkten liegt bei 20% und wenn darüber hinaus gesiegelte Zutaten erhältlich sind, sollen diese auch verwendet werden.

FT4All wird in Brasilien nun mit einem Kaffee-Pilotprojekt starten, um die zukünftigen Standards für Großplantagen zu testen und festzulegen. Kleinbauernverbände kritisieren dies vehement, denn sie fürchten um ihre Absatzchancen auf dem Weltmarkt.

Negative Auswirkung auf den gesamten Fairtrade-Markt

Über 70% des weltweit angebauten Kaffees wird von Kleinbauern produziert und der bisherige Fairtrade-Markt kann längst nicht allen Kaffee von Fairtrade-Produzenten aufnehmen, d.h. sie sind gezwungen billiger auf dem konventionellen Markt zu verkaufen. Mit der zukünftigen Ausweitung würden sich ihre Chancen auf dem Weltmarkt zunehmend verschlechtern und das Vorhaben von FT4All Industrie-Kaffee zu versiegeln wäre kontraproduktiv für den gesamten Fairtrade-Markt.

Der Kleinbauern-Produzenten-Verband CLAC (Coordinadora Latinoamericana y del Caribe de Pequenos Productores de Comercio Justo) lehnt FT4All komplett ab und kritisiert das Vorgehen stark. Sie gründeten sich 2004 in Oaxaca/Mexico und sind eng mit Comercio Justo Mexico und Fairtrade Int. verbunden. Sie repräsentieren über 300 Organisationen in 21 Ländern Lateinamerikas und vertreten diese Organisationen gegenüber Fairtrade. Mit ihrer Arbeit haben sie z.B. 2011 erreicht, das der Fairtrade Mindestpreis von 120 ct/lb auf 140 ct/lb angehoben wurde. Dies war seit Jahren überfällig. Auch sie haben nun ein eigenes Siegel entwickelt,

welches sich Tu Simbolo-Your Symbol nennt. Die Mitglieder-Liste von Tu Simbolo ist z.B. in Mexico weitest gehend deckungsgleich mit der Fairtrade-Liste und sie werden ebenfalls von Certimex zertifiziert.

Allerdings sind die Mitka Lieferkooperativen in Mexico und Nicaragua noch nicht eingetreten. Auch die Mitka-Lieferkooperativen für La Cortadora Kaffee, die Kooperativen Santa Adelaida (El Salvador) und Combrifol (Honduras), nicht (in El Salvador ist der Verband Apecafe eingetreten). Bleibt abzuwarten, ob dies geschieht und ob Mitka das auch macht. Die Diskussion darüber ist im Gange.

Problematische Zertifizierung

Im Moment lassen sich also die Kooperativen doppelt zertifizieren. Dabei sind die Kosten bei Tu Simbolo erheblich günstiger. Ob dann zukünftig das Fairtrade-Siegel fallen gelassen wird, ist wohl auch in der Diskussion. Lange mitmachen wird das Fairtrade mit Sicherheit nicht. Ob sich jedoch neue Kooperativen überhaupt die Zertifizierung leisten können, ist auch fraglich. Viele Kooperativen sind z.B. in Mexico nach Einführung der Fairtrade-Gebühren für die Zertifizierung des Siegels ausgetreten. Sie konnten es sich schlichtweg nicht leisten. Dies betraf auch die beiden zapatistischen Kaffeekooperativen Mut Vitz und Cafe Yachil. Schwierig genug war überhaupt sie ins Siegel zu bekommen, welches auf Wunsch der Kooperativen wegen einiger Fairtrade-Importeure in den USA geschah. Einer der Mitbegründer des Fairen Handels, Frans Vanderhoff (Berater bei der Koop Uciri), wollte dies verhindern und beinahe wären erste Lieferverträge mit dem Schweizer Importeur Bertschi geplatzt.

Dieses Caciquentum (Kazike (sp.: cacique) ist eine Bezeichnung für indigene Anführer oder Adlige in Mittel- und Südamerika) war immer ein Hauptkritikpunkt am Fairen Handel in Mexico und hat z.B. bei der Koop Majomut zur Spaltung geführt. Auch gab es immer wieder Fälle von “Coyotismo” seitens der großen Fairhandels-Kooperativen (als Coyoten werden die Zwischenhändler bezeichnet). Inwieweit nun das neue Siegel von CLAC -Tu Simbolo eine Chance auf dem Markt hat, bleibt abzuwarten.

Der Markt ist übersättigt von einer Vielzahl von “Nachhaltigkeits-Siegeln” wie z.B. Utz-Kapeh, Rainforest Alliance, 4 C, Starbucks . Einer Studie von CLAC aus dem Jahr 2010 zufolge haben bereits einige Produzenten in Guatemala die Bio-Zertifizierung zugunsten von Utz verlassen – in Costa Rica passierte selbiges zugunsten von Rainforest und Starbucks. Gründe dafür sind niedrigere Erträge pro Hektar im Bio-Anbau aber auch der zu geringe Bio-Mehrpreis im Verhältnis zum enormen Arbeitsmehraufwand. Hier besteht also auch dringender Handlungsbedarf, so CLAC.

Siegeldiskussion bei der Kaffeekampagne El Salvador

Die Siegeldiskussion wird, wie wir sehen, zunehmend unübersichtlicher und komplizierter und für die Kaffeekampagne El Salvador besteht seit Jahren aus vielen der angeführten Gründe kein Grund ein Siegel zu nehmen. Auch El Rojito hat seit kurzem alle Kaffees siegelfrei, denn beim Fairmaster-Kaffee, der zusammen mit Gepa-Nord in Hamburg vertrieben wird, ist auch das Fairhandels-Siegel verschwunden. Natürlich könnte man sagen, die schwimmen im Kielwasser von

Fairtrade. Von daher ist es umso wichtiger die eigenen Positionen und Diskussionen deutlich und transparent zu vertreten. Dies ist besonders wichtig im Umgang mit den KonsumentInnen und vor allen Dingen im Umgang mit den ProduzentInnen. Denn für wen und für was wird denn eigentlich der Handel gemacht?

Die Kaffeebauern stolpern von Krise zu Krise, verdienen viel zu wenig – nur 4 % des Ladenpreises. Und von Living Wages und Mindestlöhnen und davon, ob die reichen zum Überleben, will ich jetzt gar nicht erst anfangen. Für die Zertifizierer ist es egal für wen oder was und welches Siegel sie zertifizieren. Und der Handel lebt gut davon. Mal schauen wie sich das zukünftig entwickelt. Die Diskussion bleibt spannend.

espanol:

https://cafe-cortado.tem.li/index.php/fairraten-und-fairkauft/donde-no-hay-sellos1/

english:

https://cafe-cortado.tem.li/index.php/fairraten-und-fairkauft/where-there-is-no-label/

francais:

https://cafe-cortado.tem.li/index.php/fairraten-und-fairkauft/fairdammt-fairsiegelt-francais/

Wettlauf um die braune Bohne , WOZ 19.4.2007


Nestlé, Fairtrade-Organisationen und alternative Händler
kämpfen um den Kaffeemarkt in Mexiko
Von Jan Braunholz     April 2007
Der Kaffeemarkt ist nach Jahren mit sehr niedrigen Preisen
wieder in Bewegung gekommen. Ernteausfälle infolge des
Klimawandels treiben die Preise insbesondere für edle
Sorten in die Höhe. Doch Kleinbauern profitieren nicht
davon. Weder Fairtrade-Organisationen noch
Lebensmittelkonzerne wie Nestlé zahlen Preise, die das
Überleben der Bauern ermöglichen. Nestlé hat zwar
inzwischen einen löslichen Kaffee mit „Fairtrade“-Siegel im
Angebot, doch das hat bei den Kleinbauern in Mexiko keine
Zustimmung gefunden.
Auf der Webseite von Nestlé findet man wunderbare Texte zur
Nachhaltigkeit. Doch die Realität sieht anders aus. Besonders
im Kaffeeland Mexiko hat Nestlé Schritte eingeleitet, die
insbesondere für die Kleinbauern und Kaffeekooperativen
negative Konsequenzen haben.
Nestlé hat in Mexiko eine marktbeherrschende Stellung auf
dem Kaffeemarkt. 80 Prozent des mexikanischen
Kaffeekonsums besteht aus löslichem Kaffee. Davon besitzt die
Nestlé-Marke „Nescafé“ einen Marktanteil von 80 Prozent. Den
Rest teilen sich Philipp-Morris /Kraft mit einigen regionalen
Marken. Für seinen Nescafé importiert Nestlé seit Jahren
billigen Rohkaffee der Sorte Robusta aus Brasilien, Vietnam,
Indonesien und Ecuador nach Mexiko, ca. 110.000 Sack im
Jahr.
Die Importe halten die Preise in Mexiko niedrig. In Mexiko wird
zwar auch Robustakaffee erzeugt. Doch Nestlé zahlt dafür sehr
geringe Preise, etwa 6 bis 7 Pesos(14 Peso = 1 Euro) pro Kilo.
Seit Jahren protestieren die Kleinbauern gegen die
Niedrigpreise.
Doch davon ließ sich Nestlé nicht beirren und plant seit 2003
ein Großprojekt in der Region Tezonapa, im Bundesstaat
Veracruz, um noch preiswerter an den begehrten Rohstoff zu
kommen, nämlich durch ein eigenes Anbauprojekt für Robusta-
Kaffee. Robusta schmeckt nicht so gut wie die edlere Sorte
„Arabica“ und erzielt deshalb niedrigere Preise. In der Region
Tezonapa wird bisher Arabica-Kaffee angebaut, denn dieser
wächst in Höhen ab 800 Meter besonders gut. Robusta
hingegen wächst in Gegenden zwischen 600 und 800 Meter
Höhe. Nestlé erwartet also von den Bauern, dass sie ihre
Arabicapflanzen vernichten und neue Robustapflanzen setzen,die aber erst in viel bis fünf Jahren beerntet werden können.
Nestlé stellte den Campesinos hohe Absatzzahlen in Aussicht
und fuhr zum Projektauftakt mit vier großen LKW vor, um
Süßigkeiten an die Kinder zu verteilen. Nestlé-Chef Peter
Brabeck-Letmathe versprach einen Schulneubau. Robusta-
Setzlinge wurden in einem französischem Kaffeelabor geklont
und in Tezonapa ausgebracht. Im Jahr 2019 will Nestlé dort bis
zu einer Million Säcke Robustakaffee jährlich ernten, mehr als
die derzeitige gesamte mexikanische Arabicakaffee-Produktion.
Doch die Landarbeiter wehren sich, weil Nestlé weder Preis-
noch Absatzgarantien anbietet. Inzwischen hat die
Landarbeiter- Organisation CIOAC (Central Independiente de
Obreros Agricolas y Campesinos) Delegierte in den Rat der
Verarbeitungsanlage entsandt. Sie wollen gegen das Nestlé-
Projekt stimmen. Der lokale Berater von Nestlé wurde
inzwischen abgezogen.
Warum will Nestlé den Robusta-Anbau in Mexiko durchsetzen?
Der Plan der USA für eine Freihandelszone, die ganz
Lateinamerika und die Karibik mit Ausnahme Kubas umfassen
soll (ALCA/Área de Libre Comercio de las Américas), lässt
Nestlé hoffen, dass es zukünftig den ganzen
lateinamerikanischen Markt mit billig produziertem Nescafé
überschwemmen kann. Um seinen ohnehin schon riesigen
Marktanteil noch zu vergrößern, kauft Nestlé auch andere
Kaffeefirmen auf und schließt sie.
Dies war etwa 2003 in El Salvador der Fall, als Nestlé die alt
eingesessene Firma „Café Listo“ kaufte, schloss und etwa
Hundert Mitarbeiter auf die Strassewarf. Nun gibt es die Marke
„Nescafé Listo“ – hergestellt jedoch in Brasilien. Auch eigene
Produktionsanlagen werden nicht verschont. So wurden in
Argentinien und Chile Nescafé-Fabriken geschlossen – die
Länder werden nun ebenfalls von Brasilien aus beliefert, wo
kürzlich 33 Millionen US-Dollar investiert wurden.
Die mexikanischen Kleinbauern geraten zunehmend in die
Abhängigkeit großer Nahrungsmittelkonzerne. Die Kaffeepreise
sind im Keller, seit 1989 das internationale Kaffee-Abkommen
zusammen brach, welches bisher Angebot und Nachfrage mit
einem einigermaßen festen Preisrahmen regelte. Seither
herrscht der freie Markt, d.h. die Börsen in New York und
London bestimmen den Preis. Doch im Hochland von
Chiapas/Mexiko ist dieses Jahr eine schlechtere Ernte aufgrund
von Klimaschwankungen und den Auswirkungen der Hurrikane
Wilma und Stan zu erwarten. Da die Konzerne auf die guten
Arabica-Qualitäten angewiesen sind, versuchen sie, über lokale
Aufkäufer an die nötigen Mengen zu kommen. Der Preis
schießt deshalb kurzfristig nach oben. Der meiste Profit bleibt
beim Zwischen- und Großhandel hängen, die Kleinbauern haben wenig davon.
Die mexikanischen Kaffeebauern sind zu 80 Prozent Indigene
in den Bundesstaaten Guerrero, Oaxaca, Chiapas, San Luis
Potosi, Nayarit, Colima und Jalisco, die seit jeher zu den armen
Zonen Mexikos zu rechnen sind und infolge dessen immer
wieder von Aufständen und Auseinandersetzungen betroffen
sind. Ausgerechnet Konzerne wie Nestlé und Starbucks engagieren
sich nun mit Kleinprojekten im Fair-Kaffee-Bereich. Nestlé hat
im Oktober 2005 erstmals ein Fairtrade-Siegel für die Marke
„Partner ́s Blend“ bekommen, die auf dem englischen Markt
vertrieben wird. Nestlé reagierte damit auf eine
Öffentlichkeitskampagne von Oxfam, das den Konzern wegen
seiner Einkaufspolitik und Preisdrückerei anprangerte. Die
Siegelverleihung an Nestlé bleibt auch innerhalb der weltweiten
Siegelorganisation „Fair Label Organisation“ (FLO) umstritten.
So sei etwa die Fairhandels-Partnerorganisation „Comercio
Justo Mexiko“ komplett gegen den Fairhandels-Vertrag mit
Nestlé gewesen, erklärt deren Vorsitzender Jeronimo Pruijn.
Die Produzenten kennen den Konzern eher als Auftraggeber
von Aufkäufern, die Kooperativen unter Druck setzen: „Wir
nehmen einen Container Fairtrade-Kaffee und die restlichen
zehn Container zu Weltmarktbedingungen, sonst gehen wir
woanders hin.“ So oder ähnlich erpressten die Einkäufer der
Konzerne die Produzenten, berichtet Fernando Celis von der
mexikanischen Kaffee-Kleinbauernorganisation CNOC
(Coordinadora Nacional de Organizaciones Cafetaleros).
Mariano Santis von der Kooperative OTPC (Organizacion
Tzeltal Productores de Café aus San Juan Cancuc) in Chiapas
sagt, dass selbst die derzeitigen Fairtrade-Mindestpreise nicht
ausreichen, um eine Familie zu ernähren. Hinzu kommt die
miserable Ernte, die im Erntezyklus 2006/2007 aus
Klimagründen um 50 Prozent zurückgegangen ist. 1,21 US-
Dollar pro Pfund plus 15 Dollarcent Aufschlag für Biokaffee
kommen nicht an die derzeit relativ hohen Weltmarktpreise
heran.
Auch in Chiapas regt sich Widerstand, aber nicht gegen die
Kaffeekonzerne, sondern gegen die „Fair Label Organisation“
und deren deutschen Ableger Transfair. Die niedrigen
Abnahmepreise und die hohen Gebühren von FLO und der Bio-
Zertifizierungs-Organisation CERTIMEX (Certificadora
Mexicana de Productos y Procesos Ecologicos) machen den
Kooperativen zu schaffen.
Noch mehr Angst macht den Kleinbauern die Idee von FLO,
auch die Großgrundbesitzer in den Fairhandel einzubeziehen.
Dies und der Eindruck, dass FLO sich zunehmend

Großkonzernen annähere, führt zu einem immer stärkeren
Vertrauensverlust bei Produzenten und Konsumenten. Viele Kleinbauern, die bisher bei Fairtrade mitmachten, verkaufen
inzwischen wieder an „Coyotes“, die Zwischenhändler der Kaffeekonzerne. Durch den 50prozentigen Ernteeinbruch sind
auch diese unter Druck, denn sie brauchen die guten Arabica-
Qualitäten und die Preise stiegen im Dezember und Januar
kräftig an. Für die Kleinbauern, die auch Kooperativen beliefern,
ist es häufig einfacher, an „Coyotes“ zu verkaufen, denn sie
bekommen sofort Geld auf der Hand – noch dazu zum selben
Preis wie beim Fairhandelspartner.
Noch schlechter sieht es für sie aus, wenn sie ihren Kaffee als
„nur-Bio“ verkaufen. Bio-Importeure zahlen keine fairen Preise.
Der Bioanbau ist sehr arbeits-, d.h. kostenintensiv. Viele
Kleinbauern können in der Erntezeit trotz Bedarfs keine
weiteren Hilfskräfte bezahlen. Oft stehen auch gar keine
Wanderarbeiter mehr zur Verfügung. Sie sind schon längst in
den USA, wo der Stundenlohn fünf mal höher liegt als in
Mexiko.
Der alternative Handel regierte schnell auf den lokalen
Preisanstieg. Der alternative Handel hat nicht das Transfair-
Siegel und ist somit auch nicht an dessen Regeln gebunden,
die er als zu marktkonform ablehnt. So zahlen zum Beispiel
amerikanische und kanadische alternative Händler wie die
„Cloudforest Initiative“ und „Cooperate Coffees“ bis zu 1,70 US-
Dollar pro Pfund. Die Hamburger „Kaffee Libertad-Kooperative“
zahlt den zapatistischen Kaffeekooperativen in Chiapas 1,60
US-Dollar. Angesichts der schlechten Ernte und der Konkurrenz
durch die „Coyotes“ sind auch die alternativen Händler zu
Preisaufschlägen gezwungen. Inzwischen kaufen sogar große
Kooperativen in Mexiko von kleineren Kooperativen Kaffee auf,
um die eigenen Lieferverträge erfüllen zu können. Im Hochland
von Chiapas hat ein Wettrennen um die wertvollen
Kaffeebohnen begonnen.
Jan Braunholz, Journalist und Mitarbeiter der Kaffeekampagne
Mexiko/El Salvador- Infostelle El Salvador e.V. Frankfurt/M

https://www.woz.ch/0716/kaffeemarkt-mexiko/der-wettlauf-um-die-bohne

Billiger Kaffee, Junge Welt 19.6.2003

Billiger Kaffee
Mexiko: Konzerne druecken Erzeugerpreise und entziehen Zehntausenden Bauern die Lebensgrundlage
                           Jan Braunholz

Wie jedes Jahr ernteten die Mitglieder der seit 1997 bestehenden Kooperative „Mut Vitz“ (Berg der Voegel) im mexikanischen Bundesstaat Chiapas von Dezember bis Maerz ihren Kaffee. Doch in diesem Jahr bekommen sie einen noch  schlechteren Preis fuer die Bohnen als in den vergangenen Jahren. Die Zwischenhaendler, genannt Coyotes, zahlen den Kooperativbauern lediglich sechs bis acht Pesos fuer das Kilogramm Pergamino (geschaelter Kaffee). Elf Pesos waren im Januar etwa ein US-Dollar. An den Kaffeeboersen in New York und London pendelte der Preis in den vergangenen zwei Jahren um die 50 bis 60 US-Dollar pro 100 Pfund.



Grund fuer das niedrige Preisniveau ist ein Ueberangebot an Kaffee aus Vietnam. Das Land konnte durch Foerdermittel aus den USA und von der Weltbank seinen Ernteertrag erheblich steigern und auf den Weltmarkt werfen. Um das dadurch entstandene Ueberangebot  aufzufangen, wurde auf Treffen der kaffeeproduzierenden Laender (APPC) eine freiwillige Exportminderung um 20 Prozent beschlossen.



Mexiko, das nicht Mitglied dieser Assoziation ist, schloss sich dennoch dieser Vereinbarung an. Das Land war ausserdem von einer Strafmassnahme wegen angeblich schlechter Kaffeequalitaet betroffen. Dies bedeutete einen zusaetzlichen Preisabschlag von 20 US-Dollar pro 100 Pfund. Verantwortlich dafuer sind, so Fernando Celis von der Nationalen Vereinigung der Kaffeeorganisationen Mexikos, die Konzerne Amsa, Expogranos, Cafe California/Neumann, Becafisa, Altria und Nestle, die den weltweiten Kaffeehandel bestimmen. Sie fuehrten sogar billigen Robusta-Kaffee (aus den zwei Hauptsorten Robusta und Arabica wird weltweit der meiste Roestkaffee gemischt, d.R.) aus anderen Laendern nach Mexiko ein, um den Preis niedrig zu halten. Allein der schweizerische Nahrungsmulti Nestle  soll etwa 110000 Sack importiert haben.



In Tapachula, einem Zentrum des Kaffeeanbaus in Chiapas, demonstrierten bereits vor zwei Jahren Mitglieder der Kooperative ISMAM gegen die Preispolitik, insbesonders von Nestle. Doch die Krise ist nicht neu. Nach der Aufloesung des Inmecafe, des nationalen mexikanischen Kaffeeinstituts im Jahre 1989, gerieten die Kaffeebauern, zu 80 Prozent Indigenas, voellig in die Abhaengigkeit der grossen Kaffeehaendler und Konzerne. Bis dahin hatte Inmecafe den Aufkauf und die Vermarktung geregelt.



Wegen ihrer katastrophalern Lebensbedingungen erhob sich 1994 in Chiapas unter Fuehrung der Zapatisten die indigene Bevoelkerung. Aber auch  die neue Regierung von Vincente Fox machte keine Zugestaendnisse. Sie praesentierte im Gegenzug einen Investitionsplan fuer die suedoestlichen Regionen, genannt Plan-Puebla-Panama, der den Ausbau einer „Ersatzverbindung“ fuer den Panamakanal und die Schaffung weitere Freihandelszonen mit Maquilas, den beruechtigten Billiglohnfabriken,  die fuer den Weltmarkt produzieren. Doch das wird den Bauern und Tageloehnern der Kaffeefincas kaum helfen. Etwa 20000 haben bereits 2001 Chiapas verlassen, so Luis Herrera Solis von der Staatlichen Kaffeevereinigung COSCAFE, um in den USA zu arbeiten. Inzwischen gibt es Schaetzungen, wonach bis zu 500000 Menschen, die im Kaffeeanbau Geld verdienten, und insgesamt 1,5 Millionen Menschen in ganz Mittelamerika aufgrund der Agrarkrise migrierten.



Doch auch die Lage in den Billiglohnfabriken verschaerft sich. Seitdem China Teilmitglied in der WTO ist, produzieren dortige Arbeiter zu einem Fuenftel des mexikanischen Lohnniveaus (zirka drei US-Dollar am Tag). Viele der im sogenannten Maquila-Belt ansaessigen Textil- und Elektronikbetriebe sind bereits nach China abgewandert.



Ein wenig Hoffnung machen den etwa 600 Mitgliedern der Kooperative „Mut Vitz“ die Erfolge, die Sie mit fairen und alternativen Handelsorganisationen in den USA, Deutschland und der Schweiz erzielen. Diese zahlen zur Zeit etwa doppelt soviel pro 100 Pfund, wie auf dem Weltmarkt zu erloesen sind. Hinzu kommt ein Bio-Aufschlag. In diesem Jahr gelang es, die gesamte Ernte zu exportieren. In Deutschland wird der Kaffee von der Hamburger Kooperative Cafe Libertad unter Anderen in Weltlaeden vertrieben. Dort gibt es auch Kooperativenkaffee von anderen indigenen Produzenten aus Oaxaca und Chiapas, der von Gepa und Mitka importiert wird.



Den Grossteil der Ernte muessen die Produzenten jedoch weiterhin ueber die Coyotes an die grossen Kaffeehandelshaeuser verkaufen. Und da zahlt nach Aussagen der Bauern beispielsweise Nestle nur sechs Pesos fuer den Pergamino-Kaffee. Doch selbst dies ist dem Konzern zu teuer. Ein Skandal ist auch, dass Nestle seit kurzem ein eigenes Anbauprojekt bei Veracruz durchzieht. 2019 will das Unternehmen bis zu einer Million Sack Robusta ernten, was mehr als die derzeitige mexikanische Arabica-Kaffeeproduktion ist. In Lateinamerika dominiert der Konzern schon bis zu 80 Prozent vom Kaffeemarkt, und die Lage fuer die Produzenen verschaerft sich zunehmend. Dies war auch Thema bei den Agrarverhandlungen zwischen Bauernorganisationen und mexikanischem Staat. Ende Januar gingen ueber 100 000 Agrarproduzentinnen und- Produzenten in Mexiko-City fuer ihr wirtschaftliches und reales Ueberleben auf die Strasse.                                        

https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/37731.billiger-kaffee.html

Frankfurter Rundschau 8.5.2001

Für eine Hand voll Dollars


Mexikos Kaffeeanbau steckt wegen des dramatischen Preisverfalls auf de m
Weltmarkt in einer schweren Krise
Von Jan Braunholz
Wie jedes Jahr ernten die Mitglieder der seit drei Jahren bestehenden
Kaffeekooperative “ Mut Vitz“ von Dezember bis März ihren Kaffee. Doch
dieses Jahr bekommen sie einen viel schlechteren Preis als in den
vergangenen Jahren. Die Zwischenhändler, “ Coyotes“ genannt, zahlen nur
sechs bis acht Pesos pro Kilo , das sind umgerechnet etwa 1,80 Mark pro
Kilo. Folge der schlechten Preise am Weltmarkt. Auf den Kaffeebörsen in
New York und London pendelte der Preis in den letzten Monaten um die 60
bis 70 US-Dollar pro 100 Pfund, etwa die Hälfte vom letztjährigen Preis.
Ausgelöst wurde der Preisverfall durch ein Überangebot von Kaffee aus
Vietnam, das in den letzten Jahren durch spezielle Förderungsmittel aus
den USA seinen Ernteertrag erheblich steigern konnte. Um dies wieder
aufzufangen, wurde auf den Treffen der Kaffee produzierenden Länder
(APPC) ein freiwilliger Exportrückgang um 20 Prozent beschlossen.
Mexiko, das nicht Mitglied dieser Assoziation ist, schloss sich dieser
Vereinbarung an. Mexiko ist außerdem von einer Strafmaßnahme auf Grund
schlechter Kaffeequalität betroffen, die nochmals ein Minus von 20
Dollar pro 100 Pfund bedeutet. Verantwortlich dafür seien, so Fernando
Celis von der CNOC (Nationale Vereinigung der Kaffeeorganisationen) die
transnationalen Konzerne (Amsa, Expogranos, Café California/Neumann,
Becafisa/Nestlé); die den nationalen Kaffeehandel bestimmen. Sie führten
sogar Kaffee aus Brasilien, Indonesien und Ecuador nach Mexico ein, um
den Kaffeepreis niedrig zu halten. In Tapachula, einem Zentrum des
Kaffeeanbaus in Chiapas, demonstrierten bereits Mitglieder der
Kaffeekooperative “ Ismam“ gegen diese Preispolitik. Doch die Krise ist
nicht neu. Nach Auflösung von Inmecafé, des nationalen mexikanischen
Kaffeeinstituts, als Folge des Zusammenbruchs des internationalen
Kaffeeabkommens, gerieten die mexikanischen Kaffeebauern in die
Abhängigkeit der großen Kaffeehändler und Konzerne, denn das Inmecafé
regelte bis dahin Aufkauf und Vermarktung für die Mehrzahl der rund 280
000 Familien, die in den Bundesstaaten Guerrero, Oaxaca, Chiapas, San
Luis Potosi, Nayarit, Colima und Jalisco überwiegend vom Kaffeeanbau
leben. Es sind dies genau die Bundesstaaten, die zu den armen und
marginalen Zonen Mexikos zu rechnen sind und infolge dessen immer wieder
von Aufständen und Auseinandersetzungen betroffen waren. 1994 begannen
in Chiapas die Zapatisten und die indigene Bevölkerung einen Aufstand,
der Folge der dortigen katastrophalen Lebensbedingungen ist. Sie fuhren
Ende Februar dieses Jahres mit einer großen “ Marcha“ nach Mexico Stadt,
um von der Regierung Vicente Fox ihre schon mit der Vorgängerregierung
ausgehandelten kulturellen und indigenen Rechte einzufordern. Doch ob
die neue Regierung Zugeständnisse macht, ist ungewiss. Sie präsentiert
im Gegenzug einen Investitionsplan für die südöstlichen Regionen,
genannt Plan-Puebla-Panama, der vor allen Dingen den Ausbau einer „
Ersatzverbindung“ für den Panama-Kanal enthält. Neue Schnellstraßen und
Eisenbahnverbindungen zwischen den neu auszubauenden Häfen von
Coatzacoalcos am Atlantik und Salina Cruz am Pazifik sowie
Freihandelszonen mit Maquilas, den Billiglohnfabriken, die für den
Weltmarkt produzieren sollen. So sehen die Pläne der Regierung Fox aus,
um aus der Armutskrise herauszukommen. Doch das wird den indigenen
Kaffeebauern und Tagelöhnern der Kaffeefincas kaum helfen. Etwa 20 000
haben bereits den Bundesstaat Chiapas verlassen, so Luis Herrera Solis
von der Staatlichen Kaffeevereinigung Coscafe, um in den USA zu
arbeiten. Folge der unrentablen Ernte, die den Kaffeeproduzenten einen
60-prozentigen Verlust bescherte. Auch die Mitglieder der
Kaffeekooperativen sind betroffen. Kaffeebauer Martin, Mitglied der
Kooperative “ Mut Vitz“ , berichtet, dass aus seinem Ort San Cayetano
bereits 60 Leute in den Norden gegangen seien, um entweder in den
Maquilas zu arbeiten oder gleich in die USA zu emigrieren. Etwas
Hoffnung machen den 750 Kooperativen-Mitgliedern die Erfolge, die sie
mit ihren KaffeeExportverträgen mit fairen und alternativen
Handelsorganisationen in den USA, Deutschland und der Schweiz haben.
Diese zahlen zur Zeit etwa doppelt soviel (126 Dollar pro 100 Pfund) wie
auf dem Weltmarkt . In diesem Jahr haben sie vier Container 17 Tonnen
exportiert und hoffen auf mehr im nächsten Jahr. Sie sind dabei, ihren
Anbau ökologisch zertifizieren zu lassen, was ihnen einen noch besseren
Preis bei der nächsten Ernte bringen wird. In Deutschland wird der
Kaffee von der Hamburger Kooperative Café-Libertad in Weltläden
vertrieben. Dort gibt es auch Kooperativen-Kaffee von anderen indigenen
Produzenten aus Oaxaca und Chiapas, der von Gepa und Mitka importiert
wird. Den Großteil ihrer Kaffee-Ernte müssen die Produzent(inn)en jedoch
nach wie vor über die “ Coyotes“ an die großen Kaffeehandelshäuser
verkaufen, und die müssten ihre Preispolitik ändern, um einen Kollaps
der mexikanischen Kaffeeproduktion abzuwenden.

Inkota Brief 112 2/2000 Grobes Foul in El Salvador: Keine Verbesserung der Arbeits-bedingungen bei Adidas-Zulieferbetrieben von Jan Braunholz

https://www.inkota.de/fileadmin/user_upload/Material/INKOTA-Brief_112.pdf